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Rückblick auf 7 Jahre Schloss Glarisegg

von Stefanie blau. http://schloss-glarisegg.ch/index.php?id=7

Einleitung

Schon vor zwei Wochen hätte ich ihn abgeben sollen, diesen Bericht über 7 Jahre Glarisegg – Ort für Begegnung und Bewusst-Sein.
Aber wie soll ich denn schreiben, was soll ich erzählen und was weglassen?
Wie gehe ich damit um, dass auch wir in Schloss Glarisegg vor grossenHerausforderungen stehen – über diese schreibt man, wenn sieüberwunden sind – hinterher und nicht vorher.
Ich atme und spüre: ichmöchte und kann über eine siebenjährige Erfolgsgeschichte schreiben.Über meine Liebe zu diesem Ort zwischen Wald und See mit Badestrand –eine Liebe, die sich nicht nur auf die traumhafte Lage bezieht, sondernauf dieses ganze Abenteuer Gemeinschaft, Seminar- und Gästehaus, auf dasspirituelle Experiment, das ökologische Unternehmen.
Hier ist meineHeimat. Hier habe ich tiefe Freundschaften gefunden, hier finde ichBegeleitung auf meinem spirituellen Weg – hier kann sich meine Freudezur Musik entfalten, hier kann ich meine Kreativität voll ausleben undeinbringen.
Und ich glaube an diesen Ort und seinen Auftrag und ich weiss, dass wir vom Universum getragen sind.
Wirhaben mit der Unterstützung vieler Kräfte viel gewagt und vielgeschafft und hier beginnt nach sieben Jahren ein neuer Zyklus –

Doch jetzt zum Anfang:

A: Im Land der Vision

Was hat uns die Kraft gegeben, das Unmögliche zu wagen? Was hat uns den Glauben gegeben, das Richtige zu tun? Was hatunser Vertrauen gestärkt, dass unser Einsatz sich lohnt?
Genau weissich es nicht, - wir hatten den Herzenswunsch in Gemeinschaft zu leben,wir hatten den tiefen Glauben, dass das, was wir wollen, auch das ist,was die Welt braucht. Wir haben einander beflügelt, utopisch zu denkenund hatten Spass daran, das Ungewöhnliche zu wagen. Und wir hattenResonanz. Wir hatten ein Umfeld, das uns ermutigt hat, vertraut undunterstützt hat.
Wir waren abenteuerlustig und dennoch als Gruppenicht so abgehoben, dass wir nicht in der Lage gewesen wären, praktischeDinge zu tun und zu organisieren.
Wenn ich an diese Zeit denke, istes für mich immer noch beeindruckend, wie viel Kraft eine Gruppe vonMenschen generieren kann, wenn sie sich auf ein Zeil ausrichtet und wiewirksam sie sein kann.
Als einer Kerngruppe von 10 - 20 Menschen istes uns gelungen, innerhalb von 9 Monaten ein Schloss und 5,2 Hektar Landsowie vier weitere Gebäude zu erwerben, und dies mit nur sehr wenigEigenkapital.
Dafür hatten wir umso mehr Energie.

Man kann nicht sagen, dass unsere Ausgangssituation ideal war.
Beim Einzug hatten wir noch kein Konzept, keine spirituellen Richtlinien, keine Struktur.
Das Leben war schneller als wir. In Glarisegg fanden wir uns als relativbunt gemischte Gruppe zusammen, weil sich die Gelegenheit bot. DasSchloss stand leer, wir durften darin wohnen – in der Ausnahmesituationeines symbolischen Mietvertrages mit dem Konkursamt, unter dessenVerwaltung die Liegenschaft stand. Keiner von uns hätte alleine anfangenkönnen – also trafen wir uns mit Menschen, die wir nicht oder nur wenigkannten.

Eine Gruppe hatte bereits ein Jahr Gemeinschaftsvorbereitung hinter sich, bei der sie monatlich „das Forum“praktizierten, andere kamen als Einzelpersonen oder waren eher in derEnergiearbeit Zuhause. Die grossen Ziele hatten wir gemeinsam:Gemeinschaft, Ökologie, Spiritualität, Heilung, Kreativität und sobegannen wir, sie auszuformulieren für unsere erste Projektbeschreibung:
Wir lauschten: - was ist unser Anliegen, was ist der Anliegen dieses aussergewöhnlichen Ortes?
UnsereTalente ergänzten sich. Wir luden Menschen ein, organisierten Anlässeund Feste. Wir erzählten begeistert von unserer Vision. Wir liessen unsberaten und gründeten eine Aktiengesellschaft. Wir schalteten Anzeigenund erhielten viel Aufmerksamkeit von den Medien.
Unsere Begeisterung war ansteckend.
Innerhalb weniger Monate zeichneten über 100 Menschen Aktien zu je 5000Franken. Bis im Oktober 2003 hatten wir 1 Millionen Eigenkapital inForm von Aktienzeichnungsscheinen.
Wir selbst gingen mit gutem Beispiel voran.
Wirhaben unsere Zeit und unser Geld investiert – mit der gleichenSelbstverständlichkeit mit der andere Menschen in ihre Familie in ihrEigenheim und in ihre Alterversorgung investieren.

Die erste Zeit war von einem starken Gemeinschaftssinn geprägt. Jeden Morgen und jeden Abend haben wir imKreis gesessen. Am Morgen haben wir uns ausgetauscht, wo wir stehen, waswir heute tun wollen und wobei wir noch Hilfe brauchen.
Am Abend haben wir gesungen, haben uns mitgeteilt und einander in emotionalen Prozessen unterstützt.
Es war sehr, sehr intensiv und ein sehr starker Zusammenhalt.
Fasttäglich bekamen wir Besuch. Einige Menschen sind länger geblieben undhaben uns in der alltäglichen Arbeit unterstützt. Dies waren unsereersten Gasthelferinnen und Gasthelfer.
Manche Menschen kamen undbrachten uns ihre Botschaft, - wussten genau, was wir wie machenmüssten. Wir lernten in dieser Zeit sehr genau hinzuhören. DieBotschaften aus den verschiedensten Zwischenwelten waren sounterschiedlich, dass wir uns übten der eigenen Intuition zu vertrauen.
Einigenvon uns waren die Besucher in unseren vertrauten Kreisen schon damalseine Überforderung. Eine der grundlegenden Gemeinschaftsfragen istdamals schon aufgetaucht:
Wie entwickeln und erhalten wir dieIntensität und die Vertrautheit einer Gruppe und bleiben zugleich offenfür neue Menschen und in Kontakt zu unserem Umfeld?

Es gab auch Ereignisse, die uns Grund hätten geben können, den Glauben zu verlieren. Es gab Mitbewerber für dieLiegenschaft, die eine Zusammenarbeit kategorisch ablehnten und sogarsoweit gingen uns gegenüber der Presse als esoterische Sexsekte zudiffamieren.
Die schöne Erfahrung dabei war, dass sich die Pressestatt an die Öffentlichkeit an uns wandte und wir die Vorwürfeglaubwürdig entkräften konnten.
Es war eine unglaublich intensiveZeit. Ich hatte das Gefühl, in einem 24 Stunden- Intensive Workshop zusein, der nicht aufhören wollte. Zwischendurch stellte ich mir dieFrage, wann ich nach Hause gehen könnte, um alles zu verarbeiten und ummich zu erholen.

B: Zum ersten, zum zweiten, zum dritten.

... ein Schloss ersteigert an meinem Geburtstag.

Wir wussten nicht, wie lange diese erste Phase dauern würde, wir hatten einen Mietvertrag beim Konkursamt mit derAuflage, ein Finanzierungsmodell zu erstellen, mit dem wir das Schlosskaufen könnten.
Auch wenn schon eine beachtliche Menge an Aktiengezeichnet waren: die Liegenschaft mit Schloss war vor längerer Zeit auf8 Millionen Schweizer Franken geschätzt worden und wir waren nicht dieEinzigen, die am Kauf des Schlosses interessiert waren ...
Doch dann,als nach mehr als zwei Jahren Leerstand des Schlosses noch keinKaufgebot vorlag, wurde ein Termin für die Zwangsversteigerung desSchlosses festgelegt.
Wir trafen uns im Kreis, stimmten uns in Stille ein und legten die Summe fest, mit der wir in der Versteigerung antreten würden.
In der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober meditierten wir non-stop in Schichten.
Als wir uns zur Fahrt zum Konkursamt bereit machten, stand das Schweizer Fernsehen vor der Tür.
Traum oder Realität?
Dannkam der Countdown. Schloss Glarisegg wurde öffentlich zur Versteigerungangeboten. Zu unserer Überraschung war da ausser uns nur eine Partei,die mitbot.
Bei drei Millionen stieg die Konkurrenz aus - knapp unterder von uns genannten Obergrenze und wir konnten das Schloss samtUmland für 3 Millionen und 20 000 Franken ersteigern.
Jubel, Umarmungen, Singen.
Das hatte das Konkursamt noch nie erlebt.
Und es war der 24. Oktober 2003 – mein 38.-ter Geburtstag.
Währendich dies schreibe, ist wieder Oktober. In wenigen Tagen jährt sich derGeburtstag von Schloss Glarisegg "Ort für Begegnung und Bewusst-Sein"zum siebten Mal und ich werde 45 Jahre alt.
Vor sieben Jahren gingeine aufregende Pionierzeit erfolgreich zu Ende. Das Abenteuer wolltenun auf einer nächsten Stufe der Realität weitergelebt werden.

C: Von der Vision zur Realität

Jetzt durften wir, was uns bisher, in der provisorischen Mietsituation, nicht erlaubt war: Geschäfte machen, Geldeinnehmen. Wir gründeten zusätzlich zu der Aktiengesellschaft noch eineBetriebsgesellschaft und jedes Gemeinschaftsmitglied wurde zugleichGesellschafter/in als Ausdruck unserer gemeinsam getragenenVerantwortung.
Nach zehn Monaten symbolischer Miete, die wir an dasKonkursamt zu entrichten hatten, zahlten wir nun das erste mal "richtig"Miete in unserem neuen Zuhause. Die neu gegründete Aktiengesellschaftbrauchte Einnahmen, um Zinsen für den Kredit zu bezahlen und natürlichfür den Unterhalt der Liegenschaft.
Die Vision in unsererProjektbeschreibung sah 5 Säulen vor: die Gemeinschaft, einen Seminar-und Gästebetrieb, Therapie, Kunst und Kultur und eine Schule.
Ziemlichschnell eröffneten wir einen Seminar- und Gästebetrieb und erfuhrenviel Unterstützung. Ein paar von uns hatten gute Kontakte zuSeminarleitern und anderen Seminarhäusern mit einer ähnlichenAusrichtung - wie das Waldhaus in Lüzelflüh oder die Schweibenalp. Einpaar mutige Seminarleiter kamen mit ihren Seminaren und machten denAnfang möglich. Sangeet Portalski mit den 5-Rhythmen und Alan Lowen,Gründer von "The Art of Being" - das war eine riesige Unterstützung, diebis heute anhält, es sind tragende Freundschaften geworden für die wirsehr dankbar sind.

Als Künstler/-innen praktizierten wir es, unsere Künste in den Alltag einzubringen, vor allem durch Musik und konntenPerformanceprojekte in der Thurgauer Kulturszene platzieren. DasSchulteam erarbeitete ein Konzept zur Gründung einer Schule am Platz.Therapeutische Räume wurden geöffnet.

Die meisten von uns hatten in völlig anderen Dingen Erfahrung, als darin ein Gemeinschaftsprojekt aufzuziehen, oder einenGemeinschaftsbetrieb zu gründen. Seminarorganisation machte nach einerAnfangsphase Ilona, von Beruf, Studienrätin für Kunsterziehung. PR-Beauftragte wurden Martina, Theologin und ehemals buddhistische Nonneund ich, eine experimentelle Schauspielerin.
Die wenigsten machtenallerdings nur eine Sache, ich leitete noch das Kulturlabor, gemeinsammit Rüdiger und wir gründeten mit Sonja-Vera das MusikTrio "PanBelMusa".Für mich ging ein musikalischer Traum in Erfüllung – Sängerin zu werdenund ich bin bis heute verliebt in die Musik, die ich mit den beidenmachen darf – unser fein intonierter A-capella Gesang, Rüdigersbegnadetes Gitarrenspiel und seine bezaubernde Musik auf den von ihmgebauten Wellenreitern.
Sowieso – in Glarisegg lebt eineGemeinschaft, die das Singen liebt, das Singen ist eine Kraft, die sichund uns immer wieder über alle Differenzen hinweg erhebt.
Unser Gemeinschaftsleben selbst wurde in dieser zweiten Phase weniger intensiv.
Wir waren mehr auf den Aufbau und die Arbeit konzentriert. Verbindliche Treffen hatten wir einmal wöchentlich.
Undich glaube, es war damals schon der Dienstag. Dienstag AbendGemeinschaftsabend. Das ist eine feste Grösse in unseremGemeinschaftsalltag geworden.
Allerdings war es gar nicht so leicht den Abend zu gestalten.
Wirkamen aus ganz unterschiedlichen Traditionen. "Forum" – geprägt von denGemeinschaftlern im Zegg, einer Gemeinschaft bei Berlin, "Open Space",geprägt von der Art of Being Arbeit von Alan Lowen, "das Komitee" – eineKommunikationsform aus dem therapeutischen Bereich.
Es folgte einejahrelange Experimentierphase, bis wir schliesslich 2007 anfingen, unsnach den Empfehlungen zur Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck zutreffen. "Group of all leaders", das schien in Glarisegg wichtig zu sein– in einem Team geprägt von starken und individuellen Persönlichkeiten.
Inder Phase nach dem Kauf wurden unsere Differenzen deutlicher. Manchevon uns waren eher Idealisten, Ideengeber oder Anreisser, jetzt war aberdie Balance von Realitätssinn und Idealismus gefragt.
Nach einigenMonaten mussten Gründungsmitglieder gehen, weil ihre Vorstellungen nichtmehr konstruktiv einfliessen konnten und im Alltag nicht zu realisierenwaren.
Unsere Gäste haben in der Anfangszeit viel Improvisation inKauf genommen. Wir hatten ja noch kaum etwas investiert, sondern einfachmit dem Betrieb begonnen, so wie es war. Der Ausgleich für dieUnvollkommenheit war sicher unser enthusiastischer Anfängergeist, dersich auch auf unsere Besucher/-innen übertrug.
Bezahlt wurde unsere Arbeit in dieser Zeit noch wenig. Wenn Gäste kamen konnte man etwas verdienen, sonst gab es Liebeslohn .

C: Arbeit, Arbeit, Arbeit

Die ersten ein- bis eineinhalb Jahre haben wir gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet. Wir haben uns ganz gegeben fürkeinen oder wenig Lohn. Wir nannten uns "Projekt im Aufbau" und so wares ja auch.
Wir freuten uns an den Fortschritten, die Verschönerungenin den Gästezimmern durch eine Lehmbauwoche, die ein Freund bei unsdurchführte, an dem Sonnengarten mit Kräuterspirale, den wir den wir neuanlegten. Ich plante das erste Sommerfestival in 2005. NeunundneunzigWorkshopeinheiten an zehn Tagen – viel zu viel ! Dennoch, - es wurdenlang anhaltende Freundschaften geknüpft und wieder konnten wir Menschenberühren, die sich entschlossen, Aktien zu zeichnen und uns zuunterstützen.

Von Anfang an standen die Therapeuten mit ihrem Angebot verschiedenster Massagen, wie Osteopathie, Cranio SacralTherapie und Gesprächsbegleitung zur Verfügung. Für müde Bewohner/-innenoft ein Elexier der Erholung und des Auftankens. Für Gäste die Chanceeiner Auszeit, Regeneration und Neuorientierung. Die Schule eröffneteihre Türen für Gemeinschaftskinder und Kinder von ausserhalb.
Vielevon uns waren ständig präsent am Ort und immer ansprechbar. Es gab keineZeiten, die für Gäste tabu waren. Die relative Unerfahrenheit in denneuen Arbeitsbereichen wurde durch viel Geduld und liebevolle Präsenzausgeglichen.
Eher kurz kamen in dieser Zeit die Gemeinschaftskinderund auch das einfache Miteinander Sein. Manche fanden, wir seienWorkoholics.

D: Struktur, Spiritualität, Inspiration

Im ersten Jahr trafen wir uns wöchentlich zum Plenum.
Das Plenum bestimmte über alle unsere Belange am Platz. Geschäftliches, Gemeinschaftliches, Soziales, Spirituelles.
Schon bald wurde das schlicht und ergreifend zu viel und zu ineffizient. Dader Platz uns gefunden hatte und wir keine fertigen Konzepte an der Handhatten, hatten wir einiges nachzuholen. In den folgenden Jahrenschrieben wir viele Papiere und experimentierten mit den Strukturen: Wirbegannen Gremien zu bilden. Am Anfang hiessen diese: Rat,Koordinationsteam, in den späteren Jahren gab es einGeschäftsleitungsteam und einen Grossrat. Wir schrieben viele Papiere:zum Annäherungsprozedere, zum Investitionsbeitrag, zu Vision undLeitgedanken. Manche hielten lange und sind noch gültig, andere wurdenunzählige Male überarbeitet oder wieder verworfen.
Unser spirituellesLeben blieb dabei sehr individuell - die Ausrichtung war die, auf dieallem zu Grunde liegende Lebensquelle, die für die Einzelnenunterschiedliche Namen haben konnte. Bei uns trafen sich Christen,Buddhisten, Antroposophen genauso wie schamanisch ausgerichteteMenschen, oder solche, die ihrer spirituellen Ausrichtung keinen Namengeben wollten. In der ersten Projektbeschreibung von 2003 stand: wirachten die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Wege das Göttliche insich und in der Welt zu erkennen. Einmal die Woche trafen wir uns zumpersönlichen Austausch, wo wir uns auf einer tiefen Ebene mitteilenkonnten, uns aneinander stärkten und aneinander rieben.
Ich entdeckteden Ausdruck von Gemeinschaft als Wachstumsbeschleuniger. Ichpersönlich hatte die Gemeinschaft als Spiegel meiner selbst gesucht undschätzte das Umfeld persönlichen Wachstums im vielfältigen Gegenüber.
Inder Zeit von 2005 bis 2009 kamen viele Menschen zu uns, lebten einoder zwei Jahre bei uns und zogen dann weiter. Wir hatten eine grosseAnziehung auf Menschen, die in Umbruchsphasen waren, nach neuerOrientierung suchten. Schloss Glarisegg war Durchgangsstation undInspiration.

E: Schon fünf Jahre

Am 24. Okotober 2008 feierten wir unser 5-jähriges Bestehen mit einem grossen, öffentlichen Fest.
Für uns war es ein riesiges Geschenk des Universums, dass wir 5 Jahrebestehen konnten. Wir hatten 10 000 Gäste bei uns willkommen geheissen.Wir haben lebendige Gemeinschafsjahre gelebt.
Wir nutzten daseinschneidende Datum, um alle Menschen einzuladen die bei der Gründungdabei gewesen waren, oder eine Zeit mit uns gelebt hatten. Wir nutztendie Gelegenheit Versöhnung und Verzeihen auszusprechen, wo einZusammenleben nicht gelungen, wo Trennungen schmerzhaft waren.
Es waren Menschen aus der Region da, die mit uns gestaunt haben, dass es möglich gewesen war, was sie uns nie zugetraut hätten.
Unser Seminar- und Gästebetrieb machte in dem Jahr einen Umsatz von annähernd 1 Millionen Schweizer Franken.
DieSchule war unterdessen nicht mehr der Gemeinschaft angegliedert und eshatte im Verhältnis Schule und Gemeinschaft zu kriseln begonnen.

F: Gemeinschaft stärken – Betriebsaufgaben deligieren

In 2009 beginnen wir uns auch im Aussen mehr Raum für die Gemeinschaft zu schaffen. Wir legen Hand an, das bis dahinbaufällige und nur provisorisch genutzte Gärtnerhäusschen zu renovieren.Hier sollen eine Meditationsraum und eine Teeküche für die Gemeinschaftausserhalb des Betriebes entstehen.
Es gibt eine Initiative"Ritualplatz". Auf dem Ritualplatz legt Birke die Anfänge für eineKlanggarten, eine Jurte und eine neue Schwitzhütte an. Wir geben unsererGemeinschaft eine rechtliche Form und gründen im Oktober 2009 den"Verein Gemeinschaft Schloss Glarisegg".
Wir werden Mitglied im Global Ecovillage Network (GEN).
Unterdessenkommen Menschen zu uns, die nicht primär an Gemeinschaft interessiertsind, sondern sich auf eine Stelle in unserem Betrieb bewerben. Wirbeschliessen als Gemeinschaft, dass wer in Glarisegg lebt, entwederGemeinschaftsmitglied ist, oder sich in Annäherung an die Gemeinschaftbefindet.
In Ausnahmesituationen können Mitarbeiter/-innen währendeiner sechs wöchigen Orientierungszeit mit uns leben. Uns ist wichtig,dass die Gemeinschaft und ihre Vision das Herz unseres Projektes bleibt.
DieGeschäftleitung unserer Betriebsgesellschaft ist mit manchen Aufgaben,die im immer grösser werdenden Seminar- und Gästebetrieb anstehen,überfordert. Nach all den Jahren des Einsatzes werden persönlicheBedürfnisse wieder wichtiger. Aus den Kindern der Pioniere sindJugendliche geworden, die jetzt ihre Eltern noch einmal voll brauchen.Die Anforderungen an den Betrieb werden immer professioneller. Wirsuchen eine Geschäftsleitung und finden eine, wie uns scheint, geeigneteFührungspersönlichkeit.
Es gibt viele Strukturänderungen. VieleBetriebsabläufe werden erstmals klar erfasst. Ehrenamtliche Arbeit,insbesondere von Neueinsteigern wird ganz abgeschafft. Es wird neuesPersonal eingestellt. Die Stimmung ist insgesamt von einem Aufatmengeprägt, dass jemand die Verantwortung für den Betrieb neu auf sichgenommen hat. Es fällt uns nicht leicht, die Schnittstellen von Betriebund Gemeinschaft genau zu benennen, die Aufgaben sinnvoll zu trennen.

G: Das siebte Jahr

Im Sommer trennen wir uns von dem Schulprojekt.
Die Differenzen waren zu gross geworden.
Im Juni 2010 kündigt die Geschäftsleiterin, nach nur eineinhalb Jahren.Die Personalkosten unseres Gästebetriebes sind in die Höhe geschossen.Wir befinden uns in einem finanziellen Engpass - lebten über unsereVerhältnisse. Es ist deutlich geworden, dass wir eine Kurskorrekturbrauchen. Gott sie Dank erhalten wir Unterstützung, werdenunternehmerisch beraten und begleitet.
Insbesondere die Pioniere und Gesellschafter/-innen besinnen sich neu auf ihre besondere Verantwortung.
Wir treffen Massnahmen innerhalb des Betriebes, um wieder in Balance und in Einklang mit der Realität zu wirtschaften.
Diese Zeit fordert von uns den ganzen Zusammenhalt aller Teile unseres Gesamtprojektes.
Wir beginnen, wieder mehr auf`s Ganze zu schauen.
Unswird klar, dass es wichtig ist, unser spirituelles und soziales Lebenzu stärken- uns zu nähren und an der Quelle zu schöpfen.
Täglich um 10 Uhr treffen wir uns zum Morgenkreis - Für 15 Minuten verbinden wir uns in der Stille, in Berührung und im Singen.
Am Morgen ab 7 Uhr waren einige von uns schon in stiller Meditation.
Nachwie vor gibt es wöchentliche und monatliche Kreise der Begegnung – neuangereichert mit gemeinsamen Frühstück, Sport und Unternehmungen.
Wiederneu befragen wir den Ort und die Vision, was jetzt zu tun und zu lassenist. Ich persönlich beginne den spirituellen Übungsweg DO-namenlos mitAnnette Kaiser, spirituelle Lehrerin der Villa Unspunnen bei Interlaken.Ich weiss, dass wir nicht alleine auf dem Weg sind und möchte michinnerhalb des grossen Netzwerks der Verbundenheit neu spirituellausrichten.
Was aber ist die Botschaft, die wir jetzt zu hören haben?Wie soll es weiter gehen? Wir bestätigen einander, dass der Seminar-und Gästebetrieb ist ein zentraler Baustein der Vision an unserem Ortfür Begegnung und Bewusst-Sein ist und es ist uns deutlich geworden,dass es weitere Säulen innerhalb unseres Projektes braucht.

Die nächsten sieben Jahre

Wir stehen also nicht vor einem radikalen Neuanfang, wohl aber vor dem Beginn eines neuen Zyklus.
Im Sommer sind zwei Frauen mit ihren Töchtern eingezogen, sie und wir wünschen sich Zuwachs von Familien.
Zur Zeit, da ich dies schreibe, im Oktober 2010 sind wir 25Gemeinschaftsmitglieder und Annähernde mit fünf Kindern undJugendlichen. Zehn von uns sind schon fünf oder mehr Jahre dabei.Sechzehn Menschen, Gemeinschaftsmitglieder und "Externe" arbeiten imSeminar- und Gästebetrieb. Im 4- Phasen-Modell nach Scott Peck, nachdessen Kommunikationsempfehlungen wir uns im Kreis treffen, tritt nacheiner Pseudophase und einer Chaosphase die "Leere" ein - ein Vakuum,bevor authentische Gemeinschaft entstehen kann. Mit einem Teil unseresGemeinschaftsprojektes befinden wir uns an diesem Ort der Leere und derVerletzlichkeit. Ich weiss, dass es eine grosse Chance ist. In SchlossGlarisegg ist jetzt die Zeit, Neues einzuladen und zu empfangen.
Wir sind offen für Inspiration.
Wirladen Menschen ein, die in Resonanz sind mit unseremGemeinschaftsprojekt und unserer Vision. Wir freuen uns auf Menschen,die Lust haben an Verantwortung - die Ideen haben und auch die Fähigkeitdiese umzusetzen. Wir haben Wohnraum und Ausbaumöglichkeiten für neueGemeinschaftsmitglieder und Familien. Es stehen uns noch einigeGewerberäume zur Verfügung, wo unternehmerische Ideen, Kreatives undUnerwartetes, was die Vision am Ort belebt umgesetzt werden kann.

Wir möchten unsere Sehnsucht, spirituell zu wachsen, teilen – im Üben von Achtsamkeit und bewusstem Sein, in Begegnung mitsich selbst und allem, was ist. Menschen, die in Resonanz sind, sindeingeladen dieser Resonanz zu folgen - als Gäste, als Neugierige, alsSpender, als Investoren, als Aktionäre, als Gasthelfende, als Annäherndeund zukünftige Mitbewohner/-innen. Wir brauchen einander. Wir dürfeneinander beschenken. Am 24. Oktober 2010 feiern wir unseren siebtenGeburtstag.

Das Gemeinschaftsprojekt Schloss Glarisegg, „Ort für Begegnung und Bewusst-Sein“ ist Teil eines grossen Netzwerkes vonGemeinschaften, ökologischen und spirituellen Bewegungen undEinzelinitiativen. Ich glaube mehr denn je daran, dass wir auch inZukunft einen wichtigen Beitrag leisten, den Wandel dieser Zeitmitzugestalten.
Ich danke für die wunderbare Erfahrungen, die ich insieben Jahren machen durfte und schaue mit Offenheit, Spannung undVertrauen in die Zukunft.

Stefanie blau.


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